Habanos-Portfoliostraffung

Wie der offizielle Alleinimporteur für Habanos in Deutschland mitteilte, hat Habanos S.A. einige Bereinigungen im Portfolio der Havannas angekündigt bzw. per Ende 2009 bereits vollzogen. Neben dem Wegfall etlicher Packungsgrößen, was in den meisten Fällen nicht weiter tragisch ist (und hier im Detail unerwähnt bleibt), sind folgende Formate gänzlich eingestellt worden:

La Gloria Cubana Medaille d’Or No. 1
La Gloria Cubana Medaille d’Or No. 3

Partagás Serie du Connoisseur No. 1
Partagás Serie du Connoisseur No. 2
Partagás Serie du Connoisseur No. 3

Saint Luis Rey Churchills
Saint Luis Rey Coronas
Saint Luis Rey Petit Coronas

Punch Royal Selection No. 11
Punch Royal Selection No. 12
Punch Churchill
Punch Petit Punch

El Rey del Mundo Grandes de Espana

Flor de Rafael Gonzales Coronas Extra
Flor de Rafael Gonzales Cigarritos

Vegueros Especiales No. 1
Vegueros Especiales No. 2

Diplomaticos No. 4
Diplomaticos No. 5

Hoyo de Monterrey Le Hoyo du Roi

Die 5THAVENUE Products Trading GmbH hat mitgeteilt, daß für einige der genannten Marken noch mehr oder weniger umfangreiche Bestände im Lager in Waldshut-Tiengen vorhanden sein sollen. Wer eine oder mehrere dieser Vitolas auch in Zukunft nicht missen möchte, hat jetzt die Gelegenheit, diese für seine Bevorratung bei uns zu bestellen und gegebenenfalls auch kurzfristig zwischenzulagern.

Ganz ohne Kommentar wollen wir es dabei aber nicht bewenden lasssen. Natürlich hat es in der Geschichte der Habanos immer wieder Formate gegeben, die eingestellt wurden, weil z.B. die Nachfrage eine wirtschaftliche Erzeugung nicht garantierte. Bekanntlich ändern sich Rauchgewohnheiten. Während sich der Trend in den letzten Jahren hin zu kurzen, robusten Formaten entwickelte, wurden Ende des 19. Jahrhunderts vor allem Doppelfigurados, in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts hingegen schmale und lange Zigarren bevorzugt. Aus solchen oder ähnlichen Gründen wurde auch die Produktion ganzer Habanos-Marken eingestellt, wobei angemerkt werden muß, daß den marktwirtschaftlichen Entwicklungen letztlich mehr zum Opfer gefallen sind als der nachrevolutionären Politik.

Natürlich ist nachvollziehbar, dass Habanos S.A. danach strebt, die besten Tabake der Welt so gewinnträchtig wie nur möglich zu vermarkten. Ein Paradebeispiel: die nach Meinung vieler Kenner und Experten beste Habano im Churchillformat überhaupt – die Saint Luis Rey Churchill. Die in ihr enthaltenen Tabake stammen überwiegend aus der Region St. Juan y Martinez, wo auch der überwiegende Teil der für die Cohiba verwendeten Tabake produziert wird. Wenn es denn gelingt, die Ligero- und Seccotabake dieser Provenienzen durch eine erweiterte Veredelung, sprich dritte Fermentation, in das Qualitätslevel der Cohiba zu liften und zum mehr als doppelten Preis zu vermarkten, so spricht wirtschaftlich alles dafür. Letzten Endes hat niemand, Cuba schon gar nicht, etwas zu verschenken. Auch und vor allem der internationale Multi Imperial Tobacco, dem 50% der Habanos S.A. gehören, verfährt offenbar ausschließlich nach streng marktwirtschaftlichen Kriterien. Dennoch ist es ein schwerer Abschied. Jede verlorene Vitola stellt einen Verlust dar, jede eingestellte Marke hinterläßt eine Lücke in der kulturellen und geschmacklichen Vielfalt. Und: Wie viele Jahre ist es eigentlich her, daß ausgerechnet der marktorienterte Westen Fidel Castro wegen seiner vermeintlich kulturfeindlichen Ausdünnung der Habanos-Markenlandschaft kritisierte? Sollte es der Trend der Zukunft sein, daß wir uns bald sämtlich um die Einheitszigarre versammeln?

Sicher, nicht jede Einstellung trifft fulminante Klassiker wie die der Marke Saint Luis Rey, welcher gleich drei wichtige Formate abhanden kommen. Der Verlust einer Petit Punch ist noch zu verkraften, wird er doch durch die etws üppigere und dabei kostengünstigere Punch Petit Coronation nahezu aufgefangen. Connoisseur No. 1-3 von Partagas waren Zigarren für wenige Liebhaber, auch die Punch Selection No. 11 und No. 12 erfreuten sich einer eher überschaubaren Fangemeinde. Daß hingegen die famosen El Rey del Mundo Grandes de Espana nicht mehr produziert werden, ist ein Jammer. Hier bleibt zu argwöhnen, dass der Trend hin zu kurzen, bedingungslos leicht rauchbaren Zigarren über die Kunst der echten Aficionados gesiegt hat, die eine Zigarre nicht ausschließlich danach bewerten, ob sie noch qualmt, wenn man nach fünf Minuten vom Lokus wiederkehrt, sondern in der Lage sind, sie wirklich qualifiziert zu rauchen. Das unsägliche Phänomen des Easy Smoke wird wohl noch weitere Opfer fordern. Die durchaus intensiven und geradlinigen Vegueros und die aus der Hoyo Cabinet Serie entfernte und etws markantere Hoyo du Roi, die feinste Verquickung holziger Noten mit intensiver Tabaksüße, sind da wohl leider nur der Anfang einer Entwicklung hin zur Jedermann-Allwetter-Allerumstandszigarre.

Was kann der Aficionado, durch den Markt auf den Begriff des Verbrauchers reduziert, gegen den schleichenden Totschlag an der habanosimmanenten Vielfalt tun? Zweierlei: Zum einen sollte er nicht davor zurückschrecken, den offiziellen Alleinimporteur seine Sicht der Dinge wissen zu lassen – schließlich hört man auch in Havanna zu, wenn der unterdessen mehr als 20jährige und zuverlässige Joint-Venture Partner etws zu sagen hat. Vielleicht, auch wenn die Zuversicht da geringer ist, ja auch in den Entscheidungsetagen des Milliardenunterehmens Imperial Tobacco. Zum anderen muß sich natürlich jeder die Frage gefallen lassen, ob und wie viele der genannten Produkte er selbst konsumiert hat, getreu dem Motto – eingestellt wird nur, was nicht gekauft wurde. Selbst wenn nicht alle der kleinen Kubanerinnen gleichermaßen Verzückung hervorrufen, Probieren geht über Studieren. Man erlebt immer wieder mal ein Wunder, wenn einem beispielsweise auf einmal eine jahrelang geschmähte Zigarre zum regelrechten Liebling mutiert oder eine unbekannte Zigarre gleichsam ans Herz wächst. Bleiben wir neugierig, bleiben wir offen, bleiben wir kritisch!

 

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