CONDORs Columne 33: WIR WERDEN ALLE STERBEN

Mitten über dem Ozean, via Bordlautsprecher für alle hörbar, ertönte Alarm. Woraufhin einige hundert Passagierherzen ins Stolpern gerieten. Dann war aus den Lautsprechern zu vernehmen, wie der Flugkapitän sich erkundigte, was das denn für ein Scheißalarm sei. Und der Copilot antwortete, da dürfe er doch ihn nicht fragen. Woraufhin der Kommandant den denkwürdigen Satz aussprach: Wir werden alle sterben. In Folge dessen, sozusagen schon mal auf Probe, hunderte Passagierherzen kurzzeitig versagten. Dann wurde die Übertragung aus dem Cockpit beendet. Es dauerte einige hundert Meilen, bis die Passagiere realisierten, daß ihre Maschine nach wie vor ruhig auf Reiseflugöhe vor sich hindüste, und ihre Pulsfrequenzen wieder den Normalpegel erreichten. Bis dahin roch es tüchtig nach Angst und die Tomatensäfte gerannen wie kochendes Blut in ihren Becherchen.
Wir werden alle sterben. Soviel ist klar. Und die Wenigsten von uns am Rauchen. Aber immer mehr durch - nun wie vermeidet man das Wort Dummheit am besten - sagen wir mal, durch die Inanspruchnahme des individuellen Rechts auf Fehlinterpretationen. Es umfaßt, von der Mutprobe im Oberleitungsbereich über das Klippenselfie, bis zum Trockensprung vom Zehnmeterturm und dem plötzlichen Herztod beim Hamsterkauf, eigentlich alles, was die Menschheit an Dämlichkeit hervorgebracht hat. Bleibt noch die Frage, ob man durch die eigene Blödheit umkommt, was ja zumindest einmal gerade noch so angehen mag, oder durch jene seiner Mitmenschen hinweggefegt wird, was freilich ärgerlich ist. Schon sind die ersten Dummköpfe unter selbstersonnenen Virenschutzmasken verröchelt. Aber die Chance, von einer rüstigen Seniorin an der Bushaltestelle zusammengekachelt zu werden, ist im Moment, in dem ich dies schreibe, in Deutschland durchaus größer als jene, vom heimtückischen Virus der Covid19-Seuche hingemeuchelt zu werden. Freilich; so wird es nicht bleiben. Wir werden alle sterben. Irgendwie. Irgendwann. Und dieses Bewußtsein unterscheidet uns vom Tier, auch wenn der Sau auf dem Weg zum Schlachten blümerant wird und Gänse kurz vor Martini besonders mißtrauisch dreinblicken. Aber mit der Gelassenheit, die unsereinen beim Genuß einer Double Corona ergreift, sehen wir, durch blauen Dunst, Corona & Co. und all dem anderen Elend unverzagt entgegen. Und dieses Bewußtsein unterscheidet den Genußraucher von allen anderen.

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