CONDORs Columne 27: ZIGARRENDÖDEL II

Wer den in meiner vorigen Columne beschriebenen Gemeinen Zigarrendödel würdigt, kommt nicht umhin, auch dem Zigarrendödel der gehobenen Kategorie Aufmerksamkeit zu zollen. Diese Edel-Zigarrendödel oder Zigarren-Edeldödel schleichen sich in Raucherklubs ein und unterwandern Raucherevents. Im Gegensatz zum offenherzig vollpfostigen Zigarrendödel aus dem Grundensemble, welcher seine Ignoranz breit auslebt, geriert sich der Edeldödel als kenntnisreicher Genießer, der ja so gern genießen möchte; nur leider, leider ist da immer etwas im Weg, was ihn erbost, traurig macht und der Verzweiflung anheimfallen lässt. Viel Geld gibt er für seine Zigarre aus. Und immer wird er enttäuscht. Liegt das Prachtstück vor ihm und sieht einfach nur schön aus, macht sich der Edeldödel daran, den Zigarrenring zu entfernen und zieht dabei gleich das Deckblatt mit ab. Oh, wie schade. Ein weiteres häufiges Szenario: Der Edeldödel hat sich eine Zigarre ausgesucht, beschnuppert und betastet, und dann das: Das Ding zieht nicht. Furchtbar. Wohlgemerkt, jeder Zigarrendödel, egal ob gemein oder edel, bemerkt immer erst, dass eine Zigarre nicht zieht, nachdem er sie angezündet hat. Weil er, mit masochistischer Konsequenz, das sorgsame Durchblasen der Zigarre und die Probe des Kaltzuges vermeidet, um dann mit weinerlichem Gesicht festzustellen, dass ihm das Leben abermals eine Falle gestellt hat. Widerfährt einer guten Zigarre das furchtbare Schicksal, einem solchen Zigarrendödel zwischen die Finger zu geraten, dann bleibt ihr nichts anderes übrig, als ihre Verachtung durch Kern- oder Schiefbrand zu bekunden, und ihre Asche in unziemlichen Intervallen abzuwerfen. Nicht zu unterschätzen ist - neben einer Art von Geheimwissen - das pädagogische Talent, mit dem der gehobene Zigarrendödel sein Geheimwissen an den Mann bringt. Jeder Mischmeister einer Havannamanufaktur würde erblassen, wenn er wüsste, was dem Edelzigarrendödel schon seit langem vollkommen klar ist, und worüber er sich gern verbreitet. Nämlich, dass Kuba vor lauter Sozialismus überhaupt keinen Tabak mehr übrig hat und deshalb welchen importieren muss, den es dann - in Form teurer Habanos – auf dem Weltmarkt außerordentlich erfolgreich verkauft. Was indes Dödel der gehobenen Klasse niemals erklären, ist, aus welchem Grund jemand den Kubanern zu diesem Zweck Tabak billig überlassen sollte. Außerdem weiß der Edel-Zigarrendödel aus sicherer Quelle, dass die Aromen von Importzigarren natürlich synthetisch in Deutschland produziert werden, dass weiße „Cotschiba“ mit Mentholgeschmack dreitausend Dollar das Stück kosten, und dass alle - außer ihm - keine Ahnung haben. Schließlich raucht er seit Jahren insgeheim Zigarren, die ursprünglich für Castro, Kennedy, Muhammad Ali oder aber zumindest den Hochstapler Gert Postel gedacht waren, dann aber - auf verschlungenen Pfaden - von der Karibik den Weg in seinen Privatbestand gefunden haben. Es sind Zigarren aus Zigarrenmanufakturen, die so geheim sind, daß keiner außer ihm und einigen seiner Dödelfreunde sie kennen. Nur der Edel-Zigarrendödel oder eben Zigarren-Edeldödel weiß um ihre Besonderheiten. Für den Normalgenießer indes, riechen sie nach Bananenblättern und glimmendem Kehricht.
In diesem Sinne: Frei nach Loriot, der übrigens passionierter Pfeifenraucher war, gilt also: Holleri - du Dödel du!

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