CONDORs Columne 26: ZIGARRENDÖDEL I

Doch, es gibt sie. Und: Leider gibt es sie, und es sind ihrer nicht wenige. Man erkennt sie daran, daß sie ihre Zigarren hektisch und voluminös beschneiden, an Kerzenflammen oder mit Benzinfeuerzeugen entzünden, in Rekordzeit paffen, vielleicht gar inhalieren und schändlicher Weise im Ascher ausdrücken. Die Rede ist von der Gattung der Gemeinen Zigarrendödel. Sie scheinen einer stabilen und jedenfalls weitgehend resistenten, vor allem aber lernresistenten Population zu entstammen. Diese Lernresistenz ist es, die den Zigarrendödel überhaupt zum echten Dödel erhebt. Das Wesen jeglichen Dödels ist gekennzeichnet von Ignoranz und Desinteresse. Statt zu genießen, macht er sich anheischig, Tabak mehr oder weniger öffentlich zu verbrennen. Statt sich über großartige Handarbeiten aus dem Besten, was die Natur zu bieten hat zu freuen, versucht er, alles zu bekritteln. Nichts ist vor seinem Gequatsche sicher. Alle Katastrophen, die er durch eigene Schuld verursacht, egal ob Schiefbrände, Kernbrenner, das Austreten von flüssigem Kondensat oder gar das Auseinanderfallen seiner Tabakgebinde, lastet er jenen unschuldigen Zigarren an, die ihm in die beidseitig linken Hände fallen. Gern verwendet er, beim Zünden der dem Untergang geweihten Preziosen, großflammige Jetburner, gewaltige Gasfeuerzeuge mit zumeist drei oder mehreren Flammen, deren gefährliches Zischen daran erinnert, daß sie kurz vor ihrer Einordnung als Kriegswaffen stehen. Bei der Auswahl seiner Zigarren fällt der Zigarrendödel durch Fixierung auf extrem kleine Zigarren („So viel Zeit hab ich gar nicht.“), extrem billigen Zigarren („Eigentlich rauche ich ja immer Cohiba, aber vielleicht können Sie mir ja auch einmal etwas anderes empfehlen…“) oder gewaltige Öfen mit exorbitanten Ringmaßen (Um bitte was eigentlich zu kompensieren?) auf. Die Zigarrendödel treten gern als kritische Zeitgenossen in Erscheinung. Was immer sie nicht verstehen, und das ist das Meiste, wird nicht etwa hinterfragt, sondern kritisiert („Ich war nur mal eine Viertelstunde auf dem Klo und als ich zurückkam, war die Zigarre schon aus.“). Wie bei allen Dödeln, ist natürlich immer alles andere verantwortlich für das eigene Scheitern. Dabei ist der Gemeine Zigarrendödel zu allem Überfluß auch noch ein echter Besserwisser. Aber, eins weiß er nicht. Kein Zigarrendödel weiß, daß er ein Zigarrendödel ist.
Anmerkung: Der Text heißt Zigarrendödel I. Das läßt erahnen, daß demnächst an gleicher Stelle ein weiterer Text zum Thema erscheinen wird. Freuen Sie sich mit uns auf eine weitere tiefschürfende Analyse der Zigarrendödel.

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